Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung ISE24

Arbeitsschwerpunkte

Die meisten Jugendlichen, die zu uns in die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung kommen haben wenig bis gar keine stabilen und gesunden Beziehungserfahrungen erlebt. Ein liebevoller Kontakt und die damit verbundene Nähe zu den leiblichen Eltern ist eine wichtige Grundvoraussetzung, um diese Beziehungserfahrungen herzustellen. Solche positiven Beziehungserfahrungen zu ermöglichen ist daher ein Kernelement der ISE, wobei die Schwierigkeit darin besteht, sich einer möglichst intensiven Beziehung anzunähern, ohne die fachliche Distanz zu verlieren. 

Neben der Beziehungsarbeit ist es weiterhin wichtig, den Jugendlichen eine gewisse Struktur vor- und mitzugeben. Nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch unter den Fachkräften wurde in den letzten Jahren daran gearbeitet. 

Woher kommen die Jugendlichen?

Unsere Jugendlichen kommen normalerweise aus ganz Deutschland. In den letzten Jahren kam ein Großteil der Jugendlichen vor allem aus Bayern und dem Münchner Umland, aber auch aus dem Saarland.


Interview mit Teamleiterin Christina Heigl zum neuen ISE-Konzept


Mit welchem Unterstützungsbedarf kommen die Jugendlichen?

Die meisten Jugendlichen, die zu uns kommen haben eine große Gemeinsamkeit: Sie sind häufig Systemsprenger und Systemsprengerinnen. Sei es, dass sie mit Regeln nicht zurechtkommen. Oder weil sie keine Grenzen im Umgang mit Anderen kennen und daher Beziehungen immer wieder neu prüfen und sogar sabotieren. Aber auch, weil sie in ihren bisherigen Familienstrukturen keinen Platz und keinen Halt mehr finden und in größeren Gruppensettings nicht haltbar zu sein scheinen. 

Der Bedarf bei all diesen Jugendlichen ist, einen Platz zu haben, wo sie mit all ihren Besonderheiten angenommen sind und sein dürfen. Sie suchen auf die eine oder andere Weise Kontakt und Beziehungen zu den Erwachsenen, ohne jedoch ihre durch Erfahrung gewonnene Skepsis diesen gegenüber abzulegen. Sie suchen nach Stabilität, Sicherheit und Verbindlichkeit.

Darüber hinaus sind es die alltäglichen Anforderungen, die diese Jugendlichen fordern und die wohl jeder aus der eigenen Jugend kennt: Themen wie das allmorgendliche Aufstehen, der Schulbesuch und der Erhalt von Hygiene und Ordnung im eigenen Zimmer und schließlich die Einhaltung von getroffenen Absprachen.

Wie sieht unser Hilfsangebot aus?

Neben der bereits beschriebenen Beziehungsarbeit, die als Grundlage für jedwede weitere Arbeit unerlässlich ist, unterstützen die Fachkräfte die Jugendlichen bei folgenden Themen: Tagesstruktur, Hilfe im Umgang mit Behörden, Elternarbeit, Anbindung an weiterführende Hilfen (Therapeutische Betreuung, psychiatrische Betreuung, Suchtberatung, etc.), sowie allen anderen Themen, die das Erwachsenwerden in der heutigen Zeit mit sich bringt. 



Wie lange bleiben die Jugendlichen?

Die Zeit in der ISE variiert für jeden Jugendlichen und jede Jugendliche. Ziel ist es meist, so viel Verselbstständigung zu erreichen, um in eine weniger intensiv betreute Wohnform wechseln zu können. In manchen Fällen fand auch nur eine kurzfristige Stabilisierung der Jugendlichen statt, während gleichzeitig eine geeignetere Maßnahme für sie gesucht wurde. 

Daher gab es Jugendliche die zum Teil wenige Monate bei uns waren, andere dafür aber mehrere Jahre. 

Was waren die besonderen Herausforderungen?

Die besondere Herausforderung im vergangenen Jahr war für uns alle natürlich das Thema Corona und der Umgang damit. Darüber hinaus ist es immer wieder eine Herausforderung trotz aller Einzelbetreuung das Thema „Umgang miteinander in der Gruppe“ zu erarbeiten. Eindrücklich gezeigt hat das die Sommerfreizeit im August 2020, die für alle Beteiligten eine Herausforderung und ein Lernfeld war. 

Grundsätzlich haben wir die Haltung, dass Jugendliche sich bei uns ausprobieren dürfen, Grenzen testen sollen und wir sie trotz des oft herausfordernden Verhaltens aushalten. Wir wollen an den Jugendlichen dran bleiben und gleichzeitig Raum geben. Diese Arbeit erfordert ein hohes Maß an Selbstreflexion, Flexibilität und die Bereitschaft, sich immer wieder neu auf die Jugendlichen einzulassen.

Trotz der Schwierigkeiten mit Corona und dem allgemeinen hohen Anspruch der ISE an die Fachkräfte gab es in den letzten Jahren immer wieder schöne Momente. Im Sommer 2019 und 2020 gab es immer wieder Kanutouren und andere erlebnispädagogische Aktionen mit kleineren Gruppen von Jugendlichen.

Darüber hinaus fanden mehrere Auszeiten mit Jugendlichen statt. Dabei verlassen einzelne Jugendliche die Häuser für einige Tage, um mit ihren Bezugsbetreuenden im Umland zu zelten, zu wandern oder zu klettern. Darüber hinaus gab es sogar Auszeiten, bei denen Betreuende und Jugendliche gemeinsam in andere Städte reisten, um gemeinsam neue Erfahrungen zu machen.

Im Frühling 2020, im ersten Corona Lockdown, nutzen wir die Zeit, um in den Gärten der jeweiligen Häuser mit Hilfe der Jugendlichen Hochbeete zu bauen und Gemüsegärten einzurichten. 

Eine besondere Tradition sind die Sommer- und Weihnachtsfeste in der ISE. Gerade Letzteres zeigte jedes Jahr, wie besonders es gerade für entwurzelte Jugendliche sein kann, wenn man zusammenkommt, um gemeinsam zu essen und sich zu beschenken. Und zu essen gab es immer reichlich, da die Betreuenden sich mühten, jedes Jahr einen deftigen Weihnachtsbraten auf den Tisch zu bringen.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf unsere Arbeit ausgewirkt?

Aufgrund der Corona Einschränkungen zu Beginn 2020 wurden gemeinsame Aktionen außerhalb der Einrichtung, wie zum Beispiel der Besuch von Freibädern oder Kinos, immer schwieriger bis unmöglich. Dadurch fielen viele Ausflüge und Beschäftigungsmöglichkeiten weg.

Als nächstes kam die Einführung der notwendigen Hygiene-Standards, die so manchem Jugendlichen als große Herausforderung erschienen. Da es den Bewohner*innen der ISE-Häuser ohnehin schwer fällt, sich an Regeln zu halten, die sie einschränken, wurde die Corona Pandemie für sie, wie für uns alle, zu einer großen Herausforderung.

Schließlich konnten sich aber alle an die neuen Bedingungen gewöhnen.

Zukunftspläne

Für das aktuelle Jahr 2021 haben wir uns Großes vorgenommen. Wir bleiben nicht stehen und gehen immer wieder NEUE WEGE. Wir starten gemeinsam neu durch mit einem neuen Konzept und sind mitten in der Umstellung. Darüber hinaus machen wir mit unseren Jugendlichen bei einer Aktion von „Wir machen Welle e.V.“ mit, bei der alle im August 2021 mit einem Surfcamp auf Sylt belohnt werden – sofern die Coronamaßnahmen das natürlich zulassen.